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In Daniel Gerlachs neuem Werk erscheint der Nahe Osten als fragiles Musikinstrument, das immer wieder neu gestimmt werden muss, eine Region, in der Krieg, Machtpolitik, Ränkespiele, Diplomatie und Mediation seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben sind. Auf einer Reise durch rund 3.000 Jahre Geschichte zeigt er, wie Konflikte hier von außen hineingetragen, verstärkt oder für fremde Interessen instrumentalisiert wurden.
Gerlach, Mitgründer und Chefredakteur des Nahost-Fachmagazins zenith sowie und Direktor des Thinktanks Candid Foundation in Berlin, verbindet historische Tiefenschärfe mit aktueller politischer Analyse. Der Bogen reicht von der arabisch-islamischen Frühzeit über das Osmanische Reich und Europas Rolle bei der Neuordnung des Nahen Ostens nach dem Ersten Weltkrieg bis zu Ägypten unter Sadat und Syrien unter Assad. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den jüngsten Entwicklungen, so der Rückkehr der Palästinafrage ins Zentrum internationaler Politik nach den Terrorangriffen der Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem Krieg in Gaza.
Was dieses Buch auszeichnet, liegt bereits im Titel versteckt. Die Kunst des Friedens ist in einer so vielschichtigen und faszinierenden Region bitter nötig, bleibt jedoch angesichts der Widersprüche ist auf der Strecke. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch äußere Mächte. Da der Nahost an strategischen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Nahtstellen der Welt liegt, sind lokale und globale Fragen hier eng miteinander verbunden und können allein aus der geopolitischen Vogelperspektive nicht beantwortet werden, so Gerlach. Sein Buch richtet deshalb den Blick durch die Lupe auf einzelne Akteure, ihre Beweggründe und kulturelle Prägungen.
Mediation und die diskrete Diplomatie
Arabische Kultur der Mediation wird in der regionalen Diplomatie auch als Kunst des Friedens betrachtet. Denn das Beharren auf Gesprächskanälen und strategisches Denken können selbst dort wirksam werden, wo offizielle Politik an ihre Grenzen stößt. Die Parallele zum Schachspiel und zu Schachkompositionen ist dabei ein ausgesprochen geschickter Vergleich. Es wird deutlich, dass Mediation nicht nur Geduld, sondern auch die Fähigkeit verlangt, verdeckte Züge, indirekte Interessen und langfristige Konstellationen mitzudenken.
Katar, aber auch Oman, verfügen über solche Erfahrungen und Fähigkeiten, was an Konfliktfällen wie Sudan, Jemen oder bei den Verhandlungen der USA mit den afghanischen Taliban in Doha – auch auf Betreiben Katars – besonders anschaulich wurde. Gerade die Fähigkeit, Kontakte zu international isolierten Akteuren herzustellen, war und ist in vielen Konflikten von unschätzbarem Wert.
Die verborgene Kunst der Vermittlung und des Kompromisses macht dieses Buch besonders lesenswert. Gerlach zeigt, dass Gewalt und Fanatismus einerseits, Verhandlungskunst, geheime Absprachen und pragmatische Deals andererseits oft gleichzeitig auftreten. Wer die Region verstehen will, muss diese Ambivalenz aushalten. Gerade heute, in einer Zeit, in der die Golfstaaten angesichts der Eskalationen um Iran, der Neuordnung Syriens und des Gaza-Krieges ihren sicherheits- und außenpolitischen Kurs neu austarieren, bietet Gerlachs Werk Orientierung. Seine historischen Exkurse und der Blick auf Personen, Institutionen und Netzwerke liefern westlichen Beobachtern einen roten Faden, um das politische Handeln und die Beweggründe regionaler Akteure besser entschlüsseln zu können.
Eine kenntnisreiche und differenzierte Lektüre für alle, die den Nahen Osten nicht nur aus Schlagzeilen verstehen wollen. Gerlach bringt Licht in ein dichtes Geflecht aus Beziehungen, Interessen, Loyalitäten und Rivalitäten und zeigt, dass die arabische Kunst des Friedens ein lang geübtes, oft verborgenes Handwerk ist.








